Unser #AlltagohneStrom – Jonas Recha macht den Selbstversuch!

#AlltagohneStrom –
Jonas macht den Selbstversuch!


Das Experiment "Stecker ziehen": Ein Tag ohne Strom


Einen Tag ist Ausbilder Jonas Recha ohne Strom ausgekommen. Kalte Dusche, kein Internet … Was er beim Experiment „Stecker ziehen“ noch erlebt hat, erfahrt ihr hier.

Guten Morgen oder so ...
07:30 Uhr: Ich werde wach und schrecke hoch. Verschlafen, aber warum? Ein Blick auf meinen elektrischen Wecker gibt Aufklärung. Schwarzes Display. Warum?

07:45 Uhr: Nachdem ich realisiert habe, dass der Strom die Nacht ausgefallen ist, schwinge ich mich aus dem Bett. Warum hat mich eigentlich niemand geweckt? Ich lausche in die Stille. Keine Regungen, keine Geräusche.

07:50 Uhr: Ab ins Badezimmer und unter die Dusche. Zunächst noch ein wenig lauwarmes Wasser, dann aber nur noch kaltes Wasser. Eine tolle Erfahrung, muss ich nicht dauernd haben. Durch die kalte Dusche bin so schnell wach geworden, wie noch nie.

08:15 Uhr: Ich greife zum Rasierer. Geht nicht, kein Strom. Gott sei Dank habe ich noch einen alten Nassrasierer liegen. Eingeseift und rasiert. Nicht ganz einfach und ungefährlich, wenn man das scharfe Ding lange nicht benutzt hat. Die Folge sind einige kleine Schnittverletzungen. Ich werde es überleben. Meine Haare, glücklicherweise kurz, werden mit dem Handtuch getrocknet. Der Fön funktioniert nicht.

08:40 Uhr: Frühstück. Der gewohnte warme Tee oder Kaffee fällt aus. Zwei Stullen und ein Glas kalte Milch stehen auf dem Tisch und müssen reichen.

09:00 Uhr: Ich bin soweit und begebe mich auf den Weg zur Arbeit. Drück auf die Fernbedienung für den Torantrieb. Wenn der Torantrieb lachen könnte, hätte er sich jetzt den Bauch gehalten. Geht natürlich nicht. Ich selbst bin schon leicht genervt.

09:05 Uhr: Zurück ins Haus und nach dem Schlüssel für die Torentriegelung gesucht. Dauert seine Zeit, weil der ja eigentlich nie gebraucht wird. Habe ich jedenfalls bis heute gedacht.

09:20 Uhr: Das Tor ist geöffnet und der Pkw bestiegen. Ein Blick auf die Tankanzeige signalisiert mir, dass nachtanken angesagt ist. Geht aber nicht. Auch Tanksäulen funktionieren nur mit Strom. Joker setzen und hoffen, dass der Tankinhalt für die Hin- und Rückfahrten reicht.

Improvisation ist alles!
09:30 Uhr: Ich betrete das Gebäude und mir kommt eine eigenartige Stille entgegen. Wo sind die Geräusche von Telefon, Drucker, Computer, Fahrstuhl etc. NICHTS. Die Stimmen meiner Kollegen/-innen sind deutlich zu hören.

09:35 Uhr: Klar, auch hier ist der Strom ausgefallen. Bin gespannt, wie ich den Tag überstehe.

09:45 Uhr: Ich sitze an meinem Arbeitsplatz. Wie gesagt, PC, Telefon und andere elektrische Geräte funktionieren nicht. Ich habe Termine! Ein neuer und völlig ungewohnter Plan muss her.

09:50 Uhr: Improvisation ist gefragt. Zettel und Kugelschreiber, zwei gute alte Bekannte aus der Schulzeit, kommen zum Einsatz. Mir ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar, ob das den ganzen Tag funktionieren kann.

10:10 Uhr: Der erste Kunde ist da. Als ich ihm erkläre, dass die EEW ohne Strom ist, schaut dieser mich an, als käme ich von einem anderen Stern. Er kommt aus einem anderen Ort und dort scheint alles in Ordnung zu sein. Letztlich scheint er Verständnis für meine Situation aufzubringen und es folgt ein freundliches und ergiebiges Kundengespräch, dass ich in großen Teilen auf dem Block notiert habe, um später die Inhalte im Computer eingeben zu können.

12:30 Uhr: Es ist mir tatsächlich gelungen, den Vormittag ohne große Dramen zu überstehen. Allerdings muss ich eingestehen, dass ich immer mal wieder reflexartig zum Telefon oder Handy gegriffen habe. Alte Gewohnheiten sind halt tief verankert und lassen sich nicht einfach abstellen.

12:35 Uhr: Es ist Mittag. Wieder dieses merkwürdige Gefühl der Stille auf den Fluren. Ich freue mich auf eine warme Mahlzeit.

12:40 Uhr: Pech gehabt. Kein Strom, keine warme Mahlzeit. Mein Plan war ein Putenschnitzel mit Pommes. Herd und Mikrowelle, beides ließ sich nicht anschmeißen. War aber auch egal, da Putenschnitzel und Pommes inzwischen aufgetaut und nicht mehr genießbar waren. Also weg in die Tonne. Es wird erneut improvisiert und es gibt ein paar Stullen auf die Hand.

13:30 Uhr: Zurück am Arbeitsplatz steht eine Besprechung an. Die übliche Technik ist nicht verfügbar. Die weiße Tafel mit Filzschreiber und Notizen kommen zum Einsatz. Eine komische Situation. Funktioniert aber.

14:30 Uhr: Die Besprechung ist vorbei. Jetzt habe ich mir aber einen heißen Kaffee verdient. Pech gehabt. Kein Strom, kein Kaffee.

15:00 Uhr: Ich habe ein wenig Leerlauf und will kurz meine Email und Facebook checken. Mal wieder nicht aufgepasst. Kein Strom, keine Netzwerke, keine Email.

16:30 Uhr: Feierabend. Der Tag ist geschafft. Eigentlich gar nicht so schlecht gelaufen. Ich habe sogar einige neue Kunden gewinnen können. Mit Block und Kuli. Der Tankinhalt hat auch gereicht.

Niemals den Tag vor dem Abend loben!
17:00 Uhr: Zuhause. Jetzt aber den Fernseher und den PC an. Endlich nachschauen, was in der virtuellen und medialen Welt passiert ist. Nichts geht! 18:15 Uhr: Abendbrot. So langsam geht mir der Verlust von Strom doch auf die Nerven. Also rein mit dem Abendbrot, natürlich wieder nur Stullen, und ins Bett!?

18:45 Uhr: Ich habe einen Entschluss gefasst. Sich regen bringt Segen. Also rein ins Sportzeug und ab ins Fitnessstudio. Mein Tank ist fast leer, also musste ich ausweichen, mein Kumpel holt mich ab.

19:00 Uhr: Fitnessstudio, eigenartig leer überall. Im Studio ist auch nicht gerade viel los. Großartige Beleuchtung – Fehlanzeige. Ein paar batteriebetriebene Lampen sorgen mehr für eine Discoatmosphäre. Unbeeindruckt machen wir uns in der Umkleidekabine fertig und raus an die Geräte.

19:15 Uhr: Mein Kumpel und ich schauen uns an. Es fällt uns wieder ein. Stromausfall. Wir lassen uns nicht entmutigen. Jetzt wo wir da sind, wird auch gekämpft. Wir nutzen die wenigen mechanischen Geräte, um uns warm zu arbeiten.

20:30 Uhr: Wir haben genug. Das Duschen lassen wir ausfallen und fahren nach Hause. Zuhause eine schöne warme Dusche und die Welt ist wieder in Ordnung.

20:45 Uhr: Voll daneben. Der Strom ist weg und auch zu Hause ist das Wasser kalt. Da muss ich jetzt durch. Kalt geduscht ist halb erfrischt. Nur gut, dass meine Haare kurz sind und so reicht ein Handtuch zum Trocknen.

21:15 Uhr: Da es bereits dunkel wird, zünde ich ein paar Kerzen an. Jetzt aber aufgepasst. Kerzen sind schließlich nicht so ungefährlich. Mir fallen alle Gruselgeschichten meiner Kindheit wieder ein.

21:45 Uhr: Ich gebe auf und lege mich schlafen. Vielleicht wird Morgen alles besser. Es würde mir schon reichen, wenn der Strom wieder fließt.

FAZIT: Ein Tag ohne Strom ist zu überstehen. Es bedarf aber schon einiger Improvisation, um die Klippen des Alltags zu umschiffen. Klar ist aber, dass ich Tage ohne Strom nicht so oft brauche. Dieser eine Tag hat schon gereicht, aber auch gezeigt, wie abhängig wir uns gemacht haben. Wenn wir den Stromausfall aber im übertragenen Sinn sehen wollen, dann kann man dies vielleicht so sehen, dass eine gewisse Entschleunigung im täglichen Leben durchaus mal angezeigt ist.

Euer Jonas